Iron Man Lampe modifiziert

Iron Man Lampe modifiziert

Aus billigem Spielzeug mehr raus holen.

Immer wieder schön wenn sich billiges China-Spielzeug in etwas richtig Hochwertiges verwandeln lässt. Jeder der schon mal in einem Toys“R“us durchwandert hat kennt diesen „Mein Gott was für billiger Neon-Plastik-Scheiß“. Prinzipiell liegt das Problem aber selten am Grundgerüst, der bei Plastik angewendeten Gussform. Die werden in der Regel von 3D-Designern erstellt und haben meistens eine ziemlich gute Qualität. Schließlich lässt sich fast alles in eine Gußform bringen. Das Problem ist viel mehr die weitere Verarbeitung und Bemalung. Die ist nämlich für den Massenmarkt ausgelegt, darf nur wenige Sekunden dauern und die Qualität der verwendeten Farben ist selten wirklich hochwertig. Das bedeutet aber auch dass man sich nicht mit der billigen Optik geschlagen geben muss.

Aber der Reihe nach: Ein Kumpel zeigte mir stolz was er von seinen Freunden geschenkt bekommen hat. Die Iron Man Wandlampe von Philipps. Er ist selbst Natural Bodybuilder und für die ist Iron Man natürlich so n Ding nech? Allerdings stellt sich seine Freundin in den Weg. War ja klar! Sieht doch doof aus, was sollen die Leute denken, du bist fast 30…. Frauen eben. Also hab ich mir gedacht ich hohl da mehr raus!

1. Grundsetup

Wir haben eine einfache Plastik-Lampe mit 4 Schraubverschlüssen an der Rückseite. Die Farbigkeit kommt zum größten Teil nativ vom Plastik, lediglich der Goldbereich wurde noch mit einem leichten Metall-Effekt-Lack besprüht.

2. Zerteilen

Die Lampe besitzt ein Akkufach für 3 AAA Batterien und einem Kippschalter an der Unterseite. Daran hängen zwei LED Lämpchen. Das ganze Teil lässt sich sehr leicht in seine Einzelteile auseinander nehmen. Das Ziel dabei ist alle Plastikteile auseinander zu kriegen um diese einzeln bearbeiten zu können.

3. Schleifen

Um sicher zu stellen das später die Farbe auch wirklich haften bleibt hab ich die Oberfläche aller Teile (außer den Weißen Augenteile, da ich diese nicht bemalt habe) vollständig angeschliffen. Dabei habe ich so viel alte Farbe wie möglich abgetragen.

4. „Beschädigen“

Wenn man möchte das etwas Glaubhaft aussieht, dann benötigt es eine Herkunft, eine Geschichte, einen Grund für dessen Existenz. Es gibt sehr viele Möglichkeiten eine Geschichte zu erzählen. Die erste kommt mit dem vierten Schritt. Wir beschädigen die Maske als hätte sie bereits Kämpfe hinter sich. Nun ist die Iron Man Maske natürlich ganz schön robust, was bedeutet das wir nicht übertreiben dürfen. Das ganze sollte nicht aussehen wie ein verrosteter Traktor oder sowas. Aber ein paar tiefe Schnitte ins Plastik hier und da, natürlich an Kanten wo Krater und Furchen auch tatsächlich glaubhaft sind, bringen schon die richtige Würze. Natürlich sollte man bedenken das später noch Farbe dran kommt, es sollten also keine leicht abzubrechenden Eckchen entstehen.

Das ganze fühlt sich am Anfang sehr eigenartig an, aber wenn man im Kopf bei dem Charakter ist, sich über mögliche Konfrontationen Gedanken macht und mit etwas Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten einfach mal ran geht kommt man schon zu einem guten Ergebnis.

5. Grundieren

Damit von der alten Farbe nichts sichtbar ist, die angeraute Fläche wieder glatt und schön wird und die neue Farbe schön halt hat habe ich die Bereiche die später sichtbar sind neu grundiert. Dabei verwendete ich Vallejo Surface Primer Black. Die Augenteile blieben unverändert damit später auch das Licht durchscheinen kann.

6. Farbe auftragen

Anschließend habe ich den Kopf-Rahmen mit „Signal Red“, und die Gesichtsplatte mit „Gold“ besprüht. Beide sind ebenfalls Airbrush Farben von Vallejo und sind in diesem Set erhältlich. Es sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden das nur Metalfarben verwendet werden die wirklich glaubhaft wirken.

7. Licht beeinflussen

Ich hab lange darüber nachgedacht wie ich das licht der Augen leicht färben kann ohne dabei das weiße Punktlicht zu verlieren. Nach einer Weile entschied ich mit einem Metallic-Blau die Silberne Rückplatte leicht am Rand zu färben. So bekam ich genau das Licht das ich wollte.

8. Verwittern

Das hier ist mein Lieblingsschritt. Jedes mal wenn ich etwas in der Art mache platz ich fast vor Vorfreude auf diesen großartigen Moment: Das Verwittern. Hier hab ich gelernt Ängste zu überwinden. Wir haben also die Farbe aufgetragen und bemerken dass es langsam schon ganz nett aussieht aber iiiiirgentwas fehlt noch zur absoluten Glaubwürdigkeit. Die Antwort ist ganz einfach: Es fehlt der verschleiß. Es fehlen die unzähligen Male bei dem Öl über die Oberfläche gelaufen ist und wieder abgewischt wurde. Es fehlt der Dreck, der Ruß, die abgestoßenen Kanten, das hinter der Farbe vorkommende leuchtende Metall.

Gute Verwitterung arbeitet mit den selben Elementen wie der vierte Step. Man muss sich Gedanken machen was mit ihm passiert ist. Wenn man das im Bewusstsein hält kann eigentlich nichts schief gehen. Also schnappte ich mir eine menge Küchenpapier, tunkte es in roher schwarzer Farbe ein, klatschte es auf die Figur und wischte es gleich wieder mit einem sauberen Tuch ab. Diesen Vorgang wiederholt man immer und immer wieder. Dabei achtet man darauf das Vertiefungen nicht ganz sauber gewischt werden und schöne Rückstände zurück bleiben. Auch kann man an ein paar Stellen bewusst Schatten erzeugen, bei mir beispielsweise an der Wangenkante. Und auch ein paar Flecken dürfen bleiben. Danach habe ich an den Kanten kleine schwarze Flecken gemacht und diese dann anschließend fast vollständig mit Metall-Farbe gefüllt. Das erzeugt den Effekt von abgebrochener Farbe. Und zum Schluss habe ich mir eine große, weiche Bürste geschnappt, sie schön vollständig mit möglichst trockener Metall-Farbe eingedeckt und diese trockene Farbe locker über das ganze drüber gebürstet. Drybrushing nennt sich das, und wird im Modellbau sehr gerne verwendet, da es Erhebungen noch mal deutlich hervorhebt und in meinem Fall noch mal metalliger wirken lässt.

Fertig!

Alles schnell wieder zusammen gebaut, die Lampen überprüft, ein paar Fotos gemacht und ab zurück an meinen Kumpel. Der hat sich riesig gefreut und dem Aufhängen stand nichts mehr im Wege. Im Gegenteil, ich glaub seine Freundin fand das richtig cool mal was Ordentliches an der Wand zu haben 😉

Ich kann jedem nur mal empfehlen so etwas zu probieren. Sich etwas Superbilliges im Spielzeug-Laden zu kaufen und komplett zu bearbeiten. Es ist nicht viel dabei aber die Freude die das macht ist ganz ganz großes Kino.